Digitale Roadmap: Elmar Schipp im Interview

? Um welche Frage geht’s beim Thema Digitalisierung im Kern?

Elmar Schipp: Es geht nach wie vor um die Frage, wie ein Unternehmen effizienter produzieren, seine Kosten reduzieren und gleichzeitig den Umsatz steigern kann. Denn nur so lässt sich das Unternehmensergebnis verbessern. Hier wurde im Umfeld von Lean in den vergangenen Jahren bereits viel erreicht. Die Digitalisierung ist aus meiner Sicht lediglich ein weiteres Werkzeug, das digitale Methoden zur Verfügung stellt, um die Produktivität zu steigern und damit einen wesentlichen Effekt auf die Kosten zu haben.

? Wie weit sind denn die Unternehmen in Sachen Umsetzung?

Elmar Schipp: Das lässt sich so pauschal nicht beantworten, weil die Situation sehr unterschiedlich ist. Dies geht aus einer Studie hervor, die wir im vergangenen Jahr zusammen mit der ESB Reutlingen durchgeführt haben. Wir waren erstaunt zu sehen, dass sich viele Unternehmen bereits seit einigen Jahren mit dem Thema beschäftigen, aber keine richtige Digitalstrategie entwickelt haben. Anders gesagt: Sie gingen eher opportunistisch an das Thema heran und versuchten, im Rahmen einzelner Anwendungsfälle das Feld für sich zu testen. Ihnen fehlt häufig nicht nur ein ganzheitliches, bereichsübergreifendes Konzept, sondern auch ein konkretes Ziel.Hier ist noch ein weiter Weg zu gehen, vergleichbar mit der Umsetzung von Lean: Auch dort hat es knapp zwei Jahrzehnte gedauert, bis in Unternehmen operative Exzellenz erreicht wurde. Um Digitale Exzellenz zu erzielen, werden wohl ebenfalls grob geschätzt noch zehn bis 15 Jahre ins Land gehen.

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? Gibt es einen Pfad zu einem individuellen Lösungsansatz, eine Art logische Linie?

Elmar Schipp: Ich denke, zunächst muss einmal verstanden werden, dass es sich um eine graduelle Entwicklung handelt, keineswegs um einen revolutionären Prozess. In einem ersten Schritt gilt es, Themen zu identifizieren, die auch einen realen Nutzen und Mehrwert bieten. Oder anders gesagt: Macht man sich auf die Suche, was durch die Digitalisierung anders, schneller, besser und/oder produktiver gemacht werden kann, so erhält man in der Regel schnell eine Fülle an Themen. Indem Sie diese einordnen, priorisieren und den Aufwand abschätzen, wie die selbstgesteckten Ziele erreicht werden sollen, ergibt sich eine logische Abfolge-Sequenz: die Digitale Roadmap.

? Jetzt sind wir mitten im Thema Ihres eBooks. Was muss man sich unter einer Digitalen Roadmap vorstellen?

Elmar Schipp: Die Digitale Roadmap ist, wenn man so will, eine Orientierungshilfe, eine Art Fahrplan, wie man vom heutigen Ist-Zustand zu dem gesteckten Fernziel kommt. Dazu ist eine Digitalstrategie nötig. So könnte dieses Fernziel beispielsweise lauten, Prozesse mit Hilfe von Digitalisierungsmethoden effizienter zu gestalten. Es könnte aber auch darum gehen, ein digitales Geschäftsmodell aufzubauen bzw. das etablierte Geschäftsmodell digital anzureichern. Die Idee dahinter ist, dem heutigen Umsatz „noch was oben draufzusetzen“.

? Mit welchem Thema sollte aus Ihrer Sicht gestartet werden?

Elmar Schipp: Es empfiehlt sich, mit denjenigen Themen zu starten, die den meisten Nutzen bieten. In diesem Zusammenhang sollte das Management auch unbedingt darauf achten, über ein gutes Controlling sowie aussagekräftige Kennzahlen zu verfügen. Denn nur so lässt sich messen, ob die Digitalisierungsinitiativen einen wirtschaftlichen Effekt haben.

? Welche Leser hatten Sie vor Ihrem geistigen Auge?

Elmar Schipp: Ich denke an Unternehmen, die beim Thema Digitalisierung noch etwas weiter entfernt sind. Also nicht die digitalen Vorreiter und die großen Konzerne, sondern mittelständische Unternehmen, die mit dem Thema Lean Erfolge für sich erzielen konnten und sich die Frage stellen, was Industrie 4.0 für sie ganz konkret bedeutet. Und was getan werden muss, um I4.0 für das eigene Unternehmen so nutzbar zu machen, dass sich auf der Prozessebene Kosten reduzieren lassen, die Produktivität gesteigert wird und auf der Ebene des Geschäftsmodelles Ideen entstehen, die am Markt angenommen werden und sich auch monetarisieren lassen.

? Was muss man tun, damit die Umsetzung scheitert?

Elmar Schipp: Nur das, was viele Unternehmen heute auch schon praktizieren: sich dem Thema ohne Strategie und ohne Ziele nach dem Trial and Error-Prinzip mit unzähligen unkoordinierten Projekten zu nähern, die Kapazitäten binden, aber keinen wirklichen Nutzen stiften. Das ist fatal.

Besten Dank für das Gespräch. (Das Gespräch führte Michael Rohn.)

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Elmar Schipp ist Autor des aktuellen eBooks Die Digitale Roadmap

Wortwechsel: Florian Guber über SYNCHRO

„Der lange Weg zur Exzellenz“: So ist das Interview mit Florian Guber in der Fachzeitschrift „Industrial Quality“ überschrieben, erschienen in der Ausgabe 10/18 auf den Seiten 6 und 7. Florian Guber ist zusammen mit Dr. Mathias Kammüller Autor des Titels SYNCHRO. Das Buch.

Die erste Frage an ihn lautete: „Können Sie in einen Satz packen: Was ist SYNCHRO?“ Gubers Antwort: „SYNCHRO ist ein Wertschöpfungssystem. Es beschreibt das Verständnis von Trumpf, wie wir Prozesse, Führung und Organisation bestmöglich auf unsere Kundenanforderungen ausrichten.“ Danach gefragt, wie in Sachen Umsetzung schnell PS auf die Straße gebracht werden können, meint er: „Wenn ich eines gelernt habe, dann das – es geht darum, eine schnelle, pragmatische, provisorische Lösung zu finden. Wenn Sie sich auf die Suche nach der perfekten Lösung machen, reicht alle Zeit der Welt nicht.“

Florian Guber leitete bei Trumpf von 2013 bis Ende 2017 die Synchro Consulting, die als interne Beratung für die Umsetzung und Weiterentwicklung von SYNCHRO. Seit Mitte 2018 ist er Werkleiter in der TRUMPF Laser GmbH, Schramberg.                                                      

Hier geht’s zum Interview Der lange Weg zur Exzellenz: Lean Management bei TRUMPF.

Download mit freundlicher Genehmigung der Fachzeitschrift Industrial Quality

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