Die Digitale Transformation gestalten

Die Herausforderungen und Konsequenzen der Digitalen Transformation für Wirtschaft und Gesellschaft werden teilweise kontrovers diskutiert. Unstrittig ist, dass die tiefgreifenden Veränderungen mit erhöhten Wissensbedarfen auf allen Ebenen einhergehen. So wird von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) auf die Notwendigkeit eines kontinuierlichen Wissens- und Kompetenzerwerbs hingewiesen, um die Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit am Standort Deutschland nachhaltig zu sichern. Nur damit, so acatech weiter, lassen sich die Chancen der Digitalen Transformation in unternehmerischen Erfolg ummünzen.

Narrative – „Inseln im Informationsstrom“

Die Komplexität der Transformation(en) bringt es mit sich, dass Lernprozesse in hohem Maße selbstgesteuert ablaufen müssen. Das aber setzt unter anderem das Erkennen von Zusammenhängen voraus, die in unserer heutigen, zersplitterten Weiterbildungslandschaft nur schwer erkennbar sind. Didaktisch kann solches Zusammenhangwissen durch so genannte Narrative vermittelt werden. Gemeint sind logisch und inhaltlich überzeugende Darstellungen, die als eine Art „Inseln im Informationsstrom“ dienen und gleichzeitig Lernimpulse für die eigenständige Befassung setzen.

Die LOG_X Verlag GmbH versteht sich bei der medialen Umsetzung solcher Narrative als Pionier und hat mit der eBook-Reihe LOGiBits ein entsprechendes Format entwickelt. Diese eBooks können als eine Art „Digitaler Lernnuggets“ verstanden werden. Neben einem verständlichen inhaltlichen Narrativ bieten die LOGiBits nämlich die Möglichkeit, auf weitere digitale, multimediale oder auch interaktive Lerneinheiten zu verlinken (Videos, Podcasts, Lernspiele u.a.m.).

Gerhard Spengler Unternehmensdialog 2019

Gerhard Spengler, Verleger und Speaker zur Digitalen Transformation
 

Narrative Lerninseln schaffen

Bezogen auf die wesentlichen Akteure der Digitalen Transformation, die Unternehmen, dienen die Narrative als gemeinsame „Absprungbasen“ für die passgenaue und individualisierte Vermittlung von Inhalten. Geteilte Narrative verbinden die unterschiedlichen Lernkulturen und bilden den Ausgangspunkt getrennter und individueller „Learning Journeys“.

Neben seiner mehr als zwanzigjährigen Erfahrung im Wissenstransfer „aus der Forschung in die Praxis“ kann LOG_X auf die kommunikative und didaktische Begleitung großer Veränderungsprojekte in der Industrie verweisen. Auch hier spielen in jüngerer Vergangenheit Narrative oder „Transformation Stories“ eine zunehmend wichtige Rolle – gerade vor dem Hintergrund undeutlicher Entwicklungspfade und inhaltlicher Ambidextrie.

Der Mensch lernt nicht zuletzt durch Anschauung und Nachahmung. Durch Beispiele. Deshalb sind neben konzeptionellen Narrativen vor allem Berichte und Reportagen aus der unternehmerischen Praxis elementarer Bestandteil. Hier lautet das Credo:

Glaubhafte Real Practice statt auf Hochglanz getrimmter Best Practice.

Das Transformations-Narrativ: wirksam, positiv und glaubhaft

In Deutschland haben es Veränderungen traditionell schwer. Das gilt insbesondere dann, wenn ihre Konsequenzen und ihr Verlauf kaum absehbar sind. Wie bei der Digitalen Transformation. In solchen Fällen gewinnen die vermeintlichen „Bewahrer“ oftmals dadurch die Oberhand, dass sie das stärkere, nämlich angstbesetzte, Narrativ verbreiten. Dieser rückwärtsgewandten „Stimmungsmache“ muss ein positives Zukunftssignal in Form eines wirksamen, positiven und glaubhaften Transformations-Narrativs entgegengesetzt werden. Ein solches Gesamtbild entsteht aus der Summe der Einzelbilder bzw. -narrative, die Schritt für Schritt, eBook für eBook, erzählt und vermittelt werden.

Bei LOG_X. 

Gerhard Spengler, Verleger


"Big Data führt zu digitalen Geschäftsmodellen und neuen Dienstleistungen"

Dr. Bernd Bienzeisler ist Mitautor des bei LOG_X in Kürze erscheinenden eBooks Richtung Zukunft. Mit ihm sprach Michael Rohn, Verlagsleiter bei LOG_X.

LOG_X: Herr Dr. Bienzeisler, könnten Sie in ein, zwei Sätzen sagen, was genau Sie unter ‚Kognitiven Dienstleistungssystemen‘ verstehen? Unter dem Begriff verstehe ich datenbasierte Geschäftsmodelle, die durch digitale Verknüpfung von Prozessen unterschiedlicher Anbieter – und zwar in einem Dienstleistungs-Ökosystem – möglich werden. Früher waren diese Prozesse getrennt, durch die Digitalisierung lassen sie sich jetzt jedoch verknüpfen.

LOG_X: Wo spielt aus Ihrer Sicht bei diesem Thema die Musik? Die zentrale Frage lautet: Wo zieht man in einer Zeit, in der – zumindest theoretisch – alles mit allem verknüpfbar ist, die Systemgrenze? Das Denken folgt heute oftmals der Formel „Anything goes“. Klingt gut, ist aber falsch. Denn es muss entschieden werden: Wo setzen wir an? Und wo macht es Sinn, prozessbezogene Daten über Sensorik und IoT-Applikationen verfügbar zu halten?

im gespraech bernd bienzeisler richtung zukunft 600

LOG_X: Das ist also aus Ihrer Sicht eine Art Megatrend? Richtig. Dahinter steht auch die Frage nach der Nutzung von Daten. Ganz konkret: Wie lässt sich aus Daten Mehrwert generieren? Die Verknüpfung physischer und digitaler Infrastrukturen ist ein Megathema. Am Ende steht, wie bereits gesagt, immer die Frage: Wo beginnen wir – und wo hören wir auf? End to End lässt sich vieles vorstellen. Aber die Welt wird dann schnell so komplex, dass einem schwindlig wird.

Die Menge an Daten ist in diesem Zusammenhang dabei nicht das eigentliche Problem. Vielmehr lautet die Frage: Haben wir die richtigen Daten? Liegen sie in unterschiedlichen Formaten vor? Existieren auch Datenlücken? Die Herausforderung lautet, die richtigen Daten für den richtigen Anwendungszweck zur Verfügung zu stellen.

LOG_X: Worauf sollten Unternehmen achten, wenn sie sich dem Thema nähern? Auf alle Fälle darauf, dass ihr Datenmanagement integraler Bestandteil einer Digitalisierungsstrategie ist. Eine Vorgehensweise nach dem Motto „Schnell-mal-was-mit-Daten-machen“ ist nicht wirklich zielführend. Wenn das Management noch mit Papier und Bleistift arbeitet, sollte man nicht gleich mit Predictive Maintenance beginnen. Das Unternehmen muss einen gewissen digitalen Reifegrad aufweisen. Nochmal: Digitalisierung ist ein ganzheitlicher Prozess, der eine Strategie benötigt und der von ganz oben gelebt werden muss.

LOG_X: In Ihrem gemeinsamen Vorwort sprechen Sie von der Relevanz Kognitiver Dienstleistungssysteme. Die Relevanz des Themas kann man nicht hoch genug einschätzen. Zwar stehen wir erst am Anfang der Digitalisierung, aber ich bin davon überzeugt, dass die Digitalisierung für die Ökonomie und die Gesellschaft einen ähnlichen Effekt haben wird wie die Industrialisierung. Die Gesetzmäßigkeiten der Ökonomie, die Spielregeln, auch die Player werden völlig andere sein. Bestes Beispiel: das Auto als „vernetztes Device“. Aus einem Fortbewegungsmittel wird ein mobiles, digitales Device, in dem wir unsere Zeit verbringen. Damit verändert sich die Perspektive komplett: auf Kunden, auf Produkte, auf den Mehrwert.

LOG_X: Wer sollte Ihr Buch lesen? Wir sprechen ganz bewusst nicht nur ein Fachpublikum an, sondern richten uns an alle, die sich dafür interessieren, was um sie herum in Sachen Dienstleistungsentwicklung vor dem Hintergrund der Künstlichen Intelligenz passiert. Unser kompaktes eBook bietet hier ein breites Themenspektrum.

LOG_X: Letzte Frage. Welche Rolle spielt die Forschung in dem digitalen Kosmos? Kurz gesagt: Forschung ist der Kitt, der das Ganze zusammenhält. Möglicherweise wird die Forschung in einer Digitalökonomie auch vom Umfang her eine ganz andere sein als es heute der Fall ist. Wenn nun auch der Dienstleistungssektor durch Künstliche Intelligenz weiter automatisiert und rationalisiert wird, werden immer mehr Mitarbeiter in der Forschung benötigt werden. Der amerikanische Ökonom und Pionier der Dienstleistungsforschung William J. Baumol antwortete auf die Frage, wo denn die Menschen künftig Beschäftigung finden, folgendermaßen: „We have to put them into the innovation system!“ Meint: Forschung wird künftig nicht etwas sein, das nur die Wissenschaft betrifft. Jedes Unternehmen wird Forschung betreiben müssen. Forschung wird, wenn Sie so wollen, in jeden Bereich ‚diffundieren‘.

LOG_X: Herr Dr. Bienzeisler, ich danke Ihnen sehr für dieses Gespräch.

Dr. Bernd Bienzeisler leitet seit Juni 2019 das Forschungs- und Innovationszentrum Kognitive Dienstleistungssysteme (KODIS) auf dem Bildungscampus in Heilbronn. Er ist Mitautor des aktuellen eBooks Richtung Zukunft.


Im Gespräch: "Bei KI müssen wir vom Prozess her denken"

Professor Jörg Krüger von der TU Berlin ist Initiator und Mitautor des im Herbst 2019 erschienenen Handlungsleitfadens „KI in der Produktion“. Mit ihm sprach Michael Rohn, Verlagsleiter bei LOG_X.

LOG_X: Herr Professor Krüger, welches Ziel verfolgen Sie mit dem aktuellen WGP-Standpunktpapier „KI in der Produktion“? Künstliche Intelligenz soll die deutsche Produktion zukunftsfest machen und dabei helfen, Wertschöpfungspotenziale zu heben. Das Problem dabei: Bislang gab es hierzu keinen systematischen Ansatz. Und genau den liefern wir jetzt.

LOG_X: Wenn ich es richtig gesehen habe, sind die Handlungsempfehlungen in Kapitel 7 gewissermaßen das „Herzstück“ Ihres Papiers. Das ist richtig. Ich denke, dass viele Unternehmen mittlerweile verstanden haben, dass es sich bei KI um ein industrierelevantes Thema handelt – und nicht um eines, das lediglich von Forschungsinstituten in ihren Elfenbeintürmen vorangetrieben wird. Jetzt stehen sie vor der Frage, wie sie dieses Thema mit Kompetenz untersetzen können. Die zentrale Frage lautet, lapidar gesagt, „Wie gehen wir an dieses Thema heran?“ Aus diesem Grund haben wir Handlungsempfehlungen formuliert. Sie sollen eine erste Orientierung geben, wie man sich dem Thema nähern kann. Benötigen wir eigene Expertise bei Maschinellem Lernen? Welche Fragen müssen wir uns stellen? Und wie können wir Expertise, die im Unternehmen vorhanden ist, gezielt nutzen? Denken Sie beispielsweise an die Kompetenzen, über die die Mitarbeiter im Qualitätsmanagement verfügen. Sie sind in statistischen Fragen sehr gut ausgebildet und verstehen etwas von Verteilungen, die ja bei den meisten maschinellen Lernverfahren, die in der Regel statistische Lernverfahren sind, eine große Rolle spielen. Unsere Idee war, mit Hilfe der Handlungsempfehlungen zu motivieren und ein Bewusstsein zu schaffen, dass gewisse Voraussetzungen in einzelnen Unternehmen durchaus bereits erfüllt sind.

LOG_X: Sie verfolgen in Ihrem Standpunktpapier einen prozessgetriebenen Ansatz. Könnten Sie das bitte erläutern? Wer sich mit dem Thema KI beschäftigt, hört viel von datengetriebenen Methoden – nicht nur aufgrund der Fortschritte, die in Sachen Datenanalyse erzielt werden. Es ist richtig, dass hier sehr viel Potenzial steckt. Kritisch aus unserer Sicht ist, dass diese Methoden die Wertschöpfungspotenziale nur unzureichend nutzen. Datengetriebene Modelle sind Blackbox-Ansätze, die von abstrakten Modellannahmen ausgehen. Und die orientieren sich in der Regel nicht an einem tieferen Prozessverständnis. Damit enthalten sie auch nur wenig Information, welche Daten das Unternehmen denn überhaupt gezielt sammeln sollte.

Professor Joerg Krueger im Gespraech LOG X

LOG_X: Es geht also, wenn ich Sie richtig verstehe, um eine sinnvolle Kombination von Daten und Prozessen? Richtig. Unseres Erachtens liegt sehr viel Wert in der Domänenkompetenz bei denjenigen, die die Prozesse betreiben. Unser Credo: In der Produktion sollten wir systematisch die Daten und das Domänenwissen verbinden, um Prozesse weiter zu verbessern und effizienter zu machen. Wenn das mein Ziel ist, dann sollte ich auch vom Prozess her denken, wofür hohes technologisches Know-how nötig und in produzierenden Unternehmen ja auch vorhanden ist. Und mir die Frage stellen, woher die Daten kommen. Andernfalls zäume ich das Pferd von hinten auf…

LOG_X: Kennen Sie ein Unternehmen, das in diesem Zusammenhang ein gutes Beispiel für das von Ihnen genannte Zusammenspiel wäre? 2019 war ich zu einem Vortrag bei einem Hidden Champion in Süddeutschland eingeladen, einem führenden Anbieter für Antriebssysteme im Bereich der Miniatur- und Mikroantriebstechnik und exzellent aufgestellt. Dort kam das Management auch auf das Thema KI zu sprechen. Nach dem Vortrag durfte ich noch einen Blick in die Produktion werfen. Dort sah ich den Einsatz einer optischen Qualitätskontrolle: Durch die bisher noch auf menschlicher Expertise basierende Unterscheidung von Gut- und Schlechtteilen auf Basis hochauflösender Kamerabilder entstehen "gelabelte" Beispieldaten. Das ist eine sehr gute Voraussetzung, um überwachtes Lernen anzuwenden. Die Herausforderung besteht darin, das Vorhandene in eine informationstechnische Struktur zu bringen. Ich bin überzeugt davon, dass es in vielen Unternehmen „digitalen Goldstaub“ gibt, den man jedoch erst glitzern sieht, wenn man die KI-Brille aufsetzt.

LOG_X: Lassen Sie uns noch einen kurzen Ausblick in die Zukunft werfen. Wohin wird die Reise aus Ihrer Sicht gehen? Wohin die Reise genau geht, vermag ich nicht zu sagen. Aber ich möchte gerne drei Aspekte kurz beleuchten: In Berlin beschäftigen wir uns stark mit dem Thema Bildverarbeitung. Und wir stellen fest, dass die Fehlerrate im Zeitraum von 2010 bis 2017 von knapp 30% auf ca. 3 Prozent zurückgegangen ist. Extrapoliert man diese Entwicklung, so ist es nicht unwahrscheinlich, dass wir in fünf Jahren möglicherweise bereits bei 0,5% liegen.

Ein sehr spannendes Thema ist zweitens das „Transfer Learning“. Darunter versteht man einen Ansatz, neuronale Netze mit Daten zu trainieren, die aus einem ganz anderen Prozess stammen. Oder anders gesagt: Es geht um ein „Vorlernen“ anhand von Alltagsgegenständen, indem Merkmale erzeugt werden, die auch zum Erkennen industrieller Güter genutzt werden können.

Ein weiterer Bereich, in dem sich viel bewegen wird, ist drittens in der Robotik das Thema „Reinforcement Learning“, kurz: RL. Dort wird wohl ein weiterer Schritt in Richtung echter KI stattfinden. Beim RL lernt ein Agent, welche Aktionen in bestimmten Situationen durchzuführen sind, um ein vorliegendes Problem zu lösen. In diesem Bereich sind Forscher weltweit unterwegs. Auch hier dürfen wir wohl interessante Fortschritte erwarten.

LOG_X: Welche Rolle spielt für Sie im Zusammenhang mit KI-Technologien der Wissenstransfer? Eine sehr wichtige. Denn es entsteht ein immer größeres Gap zwischen dem, was technisch möglich und dem, was in den Unternehmen an Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen abbildbar ist. Von daher ist es eine wichtige Aufgabe, KMU beim Thema KI zu befähigen. Unsere Stärke in Deutschland ist die gute Verbindung zwischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Hinzukommt unsere „Ingenieurs-Denke“ in Form eines systematischen und strukturierten Vorgehens, um sich dem Thema der industriellen Nutzung von KI bzw. dem Maschinellen Lernen zu nähern. Unser Handlungsleitfaden soll kleinen und mittelständischen Unternehmen helfen, Wertschöpfungspotenziale konsequent und in beherrschbaren Schritten für sich zu heben. Auf diese Weise, davon bin ich überzeugt, können wir unsere weltweite Wettbewerbssituation im Bereich der Automatisierung verbessern. Und zwar drastisch.

LOG_X: Herr Professor Krüger, ich danke Ihnen sehr für dieses Gespräch. 

Prof. Jörg Krüger ist Leiter des Fachgebiets Industrielle Automatisierungstechnik, Institut für Werkzeugmaschinen und Fabrikbetrieb (IWF) der TU Berlin sowie Leiter des Geschäftsfeldes Automatisierungstechnik am Fraunhofer IPK.

Hier können Sie das Standpunktpapier "KI in der Produktion" der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Produktionstechnik (WGP) herunterladen.

Digitalisierung von Prozessen und Dienstleistungen

Die Digitalisierung ist ein Megatrend, der alle Branchen tangiert. Welche Auswirkungen dieser Trend auf die Verlagsbranche hat, skizzierte LOG_X-Verleger Gerhard Spengler als Referent im Rahmen des Unternehmensdialogs der IHK Region Stuttgart. Die Veranstaltung fand am 26. November 2019 in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IAO statt und war gut besucht.

Das Dienstleistungsgeschäft digitalisieren – das ist nicht nur ein Thema für große Unternehmen. Gerhard Spengler, Geschäftsführer der LOG_X Verlag GmbH, skizzierte in seinem Vortrag aus Sicht eines Verlegers, welche Herausforderungen bei der Gestaltung digitaler Prozesse und Dienstleistungen zu bewältigen sind. Als die Top 5 benannte er:

  1. Den richtigen Zeitpunkt zu erwischen
  2. In der Welt der Kunden zu leben
  3. Die Trends außerhalb der eigenen Branche zu beobachten
  4. Die Bedeutung der Künstlichen Intelligenz ernstzunehmen
  5. Die digitale Welle zu reiten und veränderungsfähig zu bleiben.

Nach den Vorträgen standen die Referenten in einer gemeinsamen Diskussionsrunde nochmals Rede und Antwort. Das Credo von Gerhard Spengler: „Die Digitalisierung birgt ohne Frage Risiken. Aber es lassen sich auch vielfältige Chancen nutzen. Dies gilt auch und besonders für kleine und mittlere Unternehmen und für nahezu jede Branche.“

"Technologie muss sich in eine gewachsene Struktur einfügen"

Dr. Jochen Hanselmann ist Autor der Neuerscheinung Potenziale strategisch erschließen. Mit ihm sprach Michael Rohn, Verlagsleiter bei LOG_X.

LOG_X: Im Untertitel Ihres aktuellen eBooks wird angedeutet, dass Technologien beherrscht werden sollten. Könnten Sie das bitte kurz erklären.

Jochen Hanselmann: Technologie, um der Technologie willen hat noch nie funktioniert. Wenn ein Unternehmen – durch welche Mechanismen oder Muster auch immer – eine neue Technologie oder neue Fertigungsverfahren einsetzt, kann es schnell außer Tritt kommen. Warum? Weil sich die Balance, zumindest kurzfristig, verändert. Um die Balance wiederherzustellen, muss man in der Lage sein, technologische Systeme und andere Fertigungstechnologien bewusst „hinzustellen“ – ohne Gefahr zu laufen, dass sich die Teilequalität, Anlagenverfügbarkeit o.ä. signifikant ändert. Wenn wir ein neues Handling- oder Zuführsystem vorschlagen, müssen wir sicher sein, dass es auch eine deutliche Verbesserung bringt, robust funktioniert und zu 100% taugt.

LOG_X: In Ihrem eBook widmen Sie sich u.a. auch dem Thema Strategieprogramme. Weshalb?

Jochen Hanselmann: Unternehmen kranken häufig daran, dass das Management denkt, es müsse nur an diesem einen Hebel etwas ändern – und dann sei alles gut. Das ist definitiv nicht so. Denn es handelt sich in einem Unternehmen um komplexe Systeme, die man verstehen muss. Es genügt nicht, in der Entwicklung mit Veränderungen zu beginnen und die Produktion nicht mitzunehmen. Und wenn man feststellt, dass Kunden andere logistische Prozesse und/oder eine schnellere Belieferung wollen, so hat dies sofort Auswirkungen auf das Bestands- und Chargenmanagement in der Produktion. Um Unternehmen in die Zukunft zu führen, darf man nicht nur punktuell ändern. Man benötigt auch die richtige Technologie und ein Strategieprogramm statt „Try and Error“. Meint: Nicht nur die konzeptionelle Entwicklung einer Strategie, sondern vor allem die schnelle, konsequente und nachhaltige Umsetzung.  

Jochen Hanselmann News

LOG_X: Sie nannten das Stichwort Komplexität. Lässt sich Komplexität heutzutage noch beherrschen?

Jochen Hanselmann: Selbstverständlich! Aber Komplexität beherrschen ist kein Standardprogramm! Überlegen Sie einmal was passiert, wenn Sie ein System nicht beherrschen. Vor geraumer Zeit hatten wir genau dieses Thema bei einem Automobilzulieferer. Dort hatte man ein kleines Bauteil, das nur wenige Cent im Einkauf kostet, zwar in time bestellt, aber nicht just in time in einer Baugruppe ans Band geliefert bekommen. Die Folge war, dass die komplette Produktion eines Premiumfahrzeugs Gefahr lief, gestoppt zu werden. Beim Nachforschen stellte sich dann heraus, dass dieses C-Teil nur bei einem einzigen chinesischen Lieferanten zu beschaffen ist – ein absurdes Risiko entlang der Supply Chain.

LOG_X: Könnten Sie Ihr Konzept in max. drei Sätzen beschreiben?

Jochen Hanselmann: Erstens: Die Analyse aus mehreren Blickwinkeln aufbauen und die Analyseergebnisse zusammentragen. Zweitens: Ein Programm aufsetzen, das sich ganzheitlich mit den Problemstellungen auseinandersetzt. Und drittens: Die Umsetzung konsequent vorantreiben und immer wieder nachsteuern.

LOG_X: Wer sollte Ihr Buch lesen?

Jochen Hanselmann: Auf jeden Fall die Geschäftsführung sowie die leitenden Führungskräfte, wenn sie merken, dass sie sich in einer Sackgasse befinden oder ein Problem entdeckt haben. Schließlich beginnen Optimierungen nie aus einem diffusen Gefühl heraus, sondern immer mit einem konkreten Problem. Anders gesagt: Erst ein erkanntes Problem schafft den Anlass zur Verbesserung. Dabei können Probleme in Unternehmen sehr unterschiedliche Dimensionen haben. Das Spektrum reicht von einem gestörten Materialfluss über Software, die nicht zum Laufen kommt, bis zu kompletten mechatronischen Systemen, die es zu verbessern gilt.

LOG_X: Letzte Frage: Was bringt Sie beim Thema technologische Prozesse so richtig auf die Palme?

Jochen Hanselmann: Wenn mir Leute gegenübersitzen, die von der Applikation oder der Anwendung nicht die geringste Ahnung haben. Die bringen quasi im Koffer ein technologisches Verfahren mit und sagen mir dann: „Es wäre doch super, wenn wir dieses Verfahren hier oder dort einsetzen könnten!“ Dann stelle ich drei Fragen, die sie meist nicht beantworten können, weil sie ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben. Denn eine Technologie muss zur DNA des Unternehmens, zum Produkt und zum Produktionssystem passen. Und sie muss sich in eine gewachsene Struktur einfügen. Diese Leute sind, sorry, wenn ich das so hart sage, content-freie Marktschreier.

LOG_X: Besten Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Michael Rohn, Verlagsleiter bei LOG_X

LOG_X Verlag GmbH • Königsallee 43 • 71638 Ludwigsburg

Tel.: 07141-125 610 • Fax: 07141-125 611 • info@log-x.de